Olzos kleiner Weblog (alt)  |  bergische Sagen
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bloz.de

Dieses Blog-Experiment wurde halbwegs aktiv von Mitte 2006 bis Ende 2010 betrieben.
Von den 300 alten Artikel stelle ich hier aus historischen Gründen noch einige öffentlich (der Rest wandert ins Privatarchiv).

Sun, 10.09.2006
Burgholzmassaker 1945

Ich bin das Internet.
Die Welt ist ein Dorf.
Das Waldgebiet vor meiner Haustür ... ein Universum!

Ein Universum voller ungelöster Rätsel, unendlichen vielen Ecken und Wegen und Dingen, die darauf warten, entdeckt zu werden.
Im Burgholz könnte man Jahrzehnte laufen (was ich tue) und entdeckt immer noch Neues.

Heute hatte ich mich aufgemacht zum Burggrafenberg, eigentlich die höchste Erhebung im Burgholz und deshalb sollte es ein ausgewieser Ausflugsort sein.
Das Gegenteil ist der Fall: nichts weisst darauf hin, der Ort ist wie totgeschwiegen, alle asphaltierten Strassen dorthin sind trotz Leitplanken längst gesperrt, und vor 2-3 Jahren wurde von der Bezirksrat ein Antrag abgelehnt, wenigstens der Strasse dorthin einen Namen zu geben.
Elena-Matrosowa-Weg.
Erinnerte mich schon stark an das Wuppertaler KZ Kemna, von dem ich auch erst 2001 erfuhr - in der Schule wurde das Thema totgeschwiegen, wie auch anderswo in Wuppertal.

Heute also fand ich endlich dorthin, obwohl einen alle Wege von dort fortführen. Eine Gedenktafel brachte Gewissheit: junge Menschen waren im Krieg aus Russland verschleppt wurden, um hier z.B. für die Bayer AG Zwangarbeit zu verrichten. Gegen Kriegsende versuchten viele zu fliehen. Ende Januar 1945 wurden solche Flüchtlinge am Bahnhof Wichlingshausen aufgegriffen, es kam zum Schusswechsel. Die Gestapo inhaftierte die Ostarbeiter, einige wurden nachweislich gefoltert.
http://www.wz-newsline.de/sro.php?redid=78458

6 Frauen und 24 Männer wurden verurteilt, und mit Hilfe der Wuppertaler Polizei brachte die Gestapo sie eines Tages Ende Februar / Anfang März 1945 im Morgengrauen zum Schiessstand auf dem Burgholz. In Gruppen mussten die Gefangenen niederknien, dem bereits geschaufelten Grab ansichtig, und wurden durch Genickschuss hingerichtet. Nur noch eines der Opfer ist namentlich bekannt.
Elena Matrosowa.


Hier ist der Tatort, der Schiessstand auf dem
Burggrafenberg im Burgholz: 51.219276 N, 7.115995 O
http://maps.google.com/maps?q=51.219276,7.115995

Geschichte | Burgholz



Danke
Für die Veröffentlichung und den Link.
Es macht mich immer betroffen in direkter Umgebung (ok hier nicht ganz räumlich zu sehen) auf solche Verbrechen zu stoßen die durch Ignoranz und Schweigen vergessen gemacht werden sollen.
Ich verstehe die Haltung der Stadt nicht, hier ihre Geschichte zu akzeptieren und wenigstens der einzig namentlich Bekannten zu gedenken.

am 2006-09-13 20:23:49 von DerVerfolgte


Sehr hübsch! Ich mein natürlich nicht was damals passiert ist, sondern die Kombination von Erkundung der eigenen Stadt und der Aufdeckung eines kleinen Stücks Geschichte. Werde bei Gelegenheit diesen Ort auch aufsuchen, um ein bisschen Geschichte zu fühlen.

am 2006-10-13 12:11:05 von Schnellster