Olzos kleiner Weblog (alt)  |  bergische Sagen
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bloz.de

Dieses Blog-Experiment wurde halbwegs aktiv von Mitte 2006 bis Ende 2010 betrieben.
Von den 300 alten Artikel stelle ich hier aus historischen Gründen noch einige öffentlich (der Rest wandert ins Privatarchiv).

Fri, 29.09.2006
Steinbruch im Burgholz?

Die Karte von 1909 zeigt in Cronenberg, Nähe Schwabhausen einen Weg zu einer seltsamen Stelle:


Die Stelle ist übrigens auf meiner MagicMags-Karte von 2003 auch noch genau so verzeichnet.

Ich habe das vor 2 Wochen schon versucht, mit der Truppe läuferisch zu erkunden - es gab dort seltsame "Verwerfungen", hohe Aufschüttungen, die eigentlich nicht natürlich sein konnten - allerdings ging uns das Tageslicht aus.
WAS war dort früher?

Ein Steinbruch? Ein Köhler? Eisenerzverhüttung?


Zwar wurde im Burgholz bei Cronenberg (heute Wuppertal) ... Eisenerz abgebaut.
http://home.arcor.de/maramut/02arc/sage1.htm

Aha!

Oder doch nicht? Weiter heisst es:


"Aber es ist nicht erwiesen, daß aus dem dortigen manganhaltigen Brauneisenstein Stahl für Solinger Schmiede geschmolzen worden wäre. ... Um 1200 waren die alten Eisensteinnester im Cronenberg-Remscheider Gebiet schon erschöpft, und im Siegerland, das nachmals Liefergebiet für Remscheid und Solingen wurde, hat man 1311 die erste Blashütte mit Wasserantrieb errichtet; um diese Zeit beginnt der Handel mit Stahlluppen [Luppe = Eisenklumpen] nach Köln und ins Bergische Land."

Eine weitere Spur führte zu Rennöfen:

Ein Rennofen war eine primitive Vorrichtung zum Gewinnen von Eisen aus Eisenerz.
http://de.wikipedia.org/wiki/Rennofen

Das sieht dann z.B. so aus:
Quelle: http://www.langobarden-zethlingen.de/rennofen%20brennt11.jpg
http://www.langobarden-zethlingen.de...rzeugung.htm

Hm, das ist ja wohl doch etwas klein...

Heute konnte ich doch nochmal einige Fotos schiessen:





Sieht mir doch mir doch am ehesten nach einem kleinen Steinbruch aus - zumal die Strasse, die dorthin führt, {Steinwäsche} heisst.

Die Gegend selber allerdings heisst {Hütter Busch} - also doch ein Hinweis auf eine Schmiedehütte oder einen Köhler?
http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6hler


Im Burgholz findet man noch heute Schlackenreste, die auf die Eisenverhüttung im frühen Mittelalter hinweisen. Waldschmiede betrieben kleine mit Holzkohle befeuerte „Rennöfen“, in denen sie das nahe an der Bodenoberfläche gefundene Raseneisenerz verhütteten. Das Ergebnis war eine breiige Luppe schmiedbaren Eisens, aus dem sie Werkzeuge für die Bauern der nahegelegenen Hofschaften herstellten.
http://www.wuppertal.de/rathaus/onli...schumann.pdf


Seit Jahrhunderten hat in Cronenberg die Eisenverarbeitung - ausgehend von Eisenerzvorkommen, Holzreichtum und zahlreichen Gewässern für den Wasserantrieb von Schmiedehämmern und Schleifsteinen - eine hohe Bedeutung ("bergische Kleineisenindustrie").
http://de.wikipedia.org/wiki/Wuppertal-Cronenberg

Hier der Punkt auf der Karte: 7.132458 N, 51.213112 O
http://maps.google.com/maps?q=51.213112,7.132458

Was haben wir hier?


[UPDATE 13.10.2006]
Ein Hinweis von Leser Olaf führt uns zu einen {Grauwacke-Steinburch}:

soweit ich weiß muß in dem Gebiet mal ein Grauwacke - Steinbruch gewesen sein. Grauwacke ist ein ca. 320 Mio. Jahre altes Gestein, welches früher in vielen Gebieten des Bergischen/Oberbergischen Landes abgebaut wurde. Auch heute wird es noch teilweise abgebaut und wird für Trockenmauern, Bordsteine, Fensterbänke usw. verwendet.
Zumindest ist dies in einige historischen geologischen Karten so verzeichnet.
Der Erzabbau war mehr im Bereich Cronenberg/Sudberg/Solingen/Remscheid, na jedenfalls in einer anderen geologischen Position.

Mit diesen Stichworten finde ich dann auch folgenden Hinweis:
Beim Bau der {Emmauskirche} auf der Hauptstraße in Cronenberg 1856-57 wurde dann auch Grauwacke "aus einem nahegelegenen Steinbruch" verwendet:

Die Eigenart der Emmauskirche besteht darin, daß die Baumeister alles nutzten, was technisch sinnvoll und kostengünstig zu machen war, um damit der Kirche außen wie innen eine gänzlich schmucklose, aber ausgeprägte Gestalt zu geben. So nahmen sie für das Mauerwerk Cronenberger Grauwacke aus einem Steinbruch am Hillgenbusch. Das ersparte teure Transportkosten.
http://www.ev-kirchengemeinde-cronen...skirche.html

Damit ist das Rätsel grösstenteils gelöst. Bleibt nur noch die Frage, ob der Steinbruch nur für den Kirchenbau 1856-57 in Betrieb war oder, wenn nicht, bis wann dort Grauwacke gebrochen wurde.

Geschichte | Burgholz



Ihr lauft ja an merkwürdigen Stellen im Burgholz herum! Ich kenne da ja auch so den ein-oder anderen Weg, aber das deucht mir unbekannt ;-)
By the way: wie sieht das denn mal aus mit einem samba-Laufevent (sollte der Weg mal komplett bis Cronenberg fertig sein). Das wäre doch eine feine Sache, ein Jahr von Sonnborn nach Cronenberg, im Jahr darauf andersherum. Ist das beim Kapstadt Marathon nicht auch so?
Grüße von
Manu (voll im Samba-Fieber;-)

am 2006-10-11 14:04:58 von Kylie


Hi Manu :-)
Am Freitag den 27.10. gibt es ein Laufevent auf der Sambatrasse - 15.30, siehe laufen-in-wuppertal.de
Da sehen wir uns dann ja bestimmt :-)

am 2006-10-13 10:12:11 von Olzo


jau, habe gerade den Newsletter bekommen! Die Strecke ist nicht nur Kinderfahrrad- sondern auch Kinderwagen-tauglich, hehe!
Nur das mit den Nebenwegen dürfte mit Kinderwagen etwas problematisch werden ;-)
Aber mit oder ohne Kinderwagen, da bin ich dabei, dat wird prihima!

am 2006-10-13 11:10:56 von Kylie