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Dieses Blog-Experiment wurde halbwegs aktiv von Mitte 2006 bis Ende 2010 betrieben.
Von den 300 alten Artikel stelle ich hier aus historischen Gründen noch einige öffentlich (der Rest wandert ins Privatarchiv).

Tue, 31.10.2006
Zeitung und Zeit



Vorgestern war der Tag 25 Stunden lag.
"Gibt s doch nicht", denkt man da, aber so ist es.
Einmal im Jahr wird die Uhr zurückgestellt, und zwischen 12 Uhr und 12 Uhr sind auf einmal 13 Stunden vergangen. Magisch. Das weicht plötzlich ein bisschen die starre Grenze unserer so strikt geregelten Welt auf, und man spürt kurz die Freiheit von Naturvölkern ohne Uhr, deren Tag einfach von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang dauert.
Dazu ist heute noch Halloween, wie passend...

Dass 24/7 ein vom Mensch erfundenes Kunstprodukt ist, merkt man auch schön am 29. Februar in einem Schaltjahr. Hier muss mühsam korrigiert werden, weil die Welt sich halt nicht in 24/7 pressen lässt. Beruhigend, eigentlich.

Beunruhigend dagegen, dass jetzt in vielen Zeitungen (auch in unserer WZ in Wuppertal) zu lesen war:

{55 Prozent} aller Deutschen wollen die Umstellung im Frühjahr und Herbst beibehalten, {48 Prozent} wollen sie wieder abschaffen
http://www.kn-online.de/news/regiona....htm/1981360

Ein kleiner Tippfehler in einer dpa-Meldung, 55% Pro, 48% Contra - nicht wirklich tragisch. Dass dieser ach so leicht zu erkennende Fehler aber in so furchtbar vielen Zeitungen unreflektiert übernommen wird, entlarvt wunderschön die Macht der Medienmogule und die Ohnmacht des freien Journalismus. Was muss da los sein in den Redaktionen, dass nicht einmal mehr Meldungen gegengelesen werden? Dauernotprogramm? Big Brother kaut vor, und ungelesen wird es weiterverbreitet, und vom Leser dann meist auch noch unreflektiert geschluckt.
Na dann Gute Nacht, diesmal 13 Stunden.

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