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Dieses Blog-Experiment wurde halbwegs aktiv von Mitte 2006 bis Ende 2010 betrieben.
Von den 300 alten Artikel stelle ich hier aus historischen Gründen noch einige öffentlich (der Rest wandert ins Privatarchiv).

Sun, 05.11.2006
von der Heydt

Die 1890er Jahre waren in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Im Bergischen wurde nicht nur die Müngstener Brücke gebaut (damals höchste Eisenbahnbrücke Europas) und die Schwebebahn (immer noch recht einmalig), auch Schloss Burg wurde wieder errichtet, und allerlei anderes.

Im Norden "meines" Burgholzes wurde 1892 der Von-der-Heydt-Turm zum Spass errichtet:



August Karl von der Heydt (1851-1929) war auch an der Gründung des Elberfelder Museums 1902 massgeblich beteiligt, dass in den 60er folgerichtig in Von-der-Heydt-Museum umbenannt wurde - denn auch sein Sohn Eduard von der Heydt (1882-1964) hat sich sehr um die Kunst bemüht gemacht. So wurde auch der {"Kulturpreis der Stadt Wuppertal"} damals in "Eduard von der Heydt-Kulturpreis" umbenannt.

Es könnte also alles so schön sein (ich mochte die Wuppertaler Marke "von der Heydt" und ihre Gönnereien bisher auch gut leiden) ... aber um ebendiesen Preis gibt es jetzt einen Streit, der auch die Schattenseiten ans Licht bringt:


Als einzige aus Steuermitteln bezahlte Auszeichnung Deutschlands trägt er den Namen eines NSDAP-Mitglieds und Antisemiten.
http://www.wz-newsline.de/sro.php?redid=133257

Ach so ist das...

Weiter schreibt die WZ:

Schon 1946 hatte die Schweizer Staatsanwaltschaft Eduard von der Heydt als "aktiven Mitmacher des Nazi-Apparats" beschuldigt und ihm neben {Raubgoldgeschäften} auch nachrichtendienstliche Tätigkeit vorgeworfen. Der Bankier wurde freigesprochen. Er hatte zwar unter fiktivem Namen Überweisungen an deutsche Nachrichtenagenten in Amerika getätigt, doch konnte ihm nicht nachgewiesen werden, dass er von der Bestimmung der Gelder wusste.

Und jetzt wird s aktuell:


Kulturdezernentin Marlis Drevermann forderte, dass weitere Belege vorliegen müssten, um von der Heydt eindeutig als NS-Täter bestimmen und Konsequenzen ziehen zu können. {Diese Beweise scheinen nun vorzuliegen} und bewogen u.a. Ingrid Bacher und Ralph Giordano, sich für die Umbenennung auszusprechen [...] 350 Unterschriften gegen Eduard von der Heydt

Hui, ist ja wie im Krimi!


"Sehr verehrter Herr Reichsmarschall", schreibt der Bankier im April 1941 in einem Brief an Hermann Göring, in dem er hofft, "dass es mir vor allem gelingen wird, zum Ausbau der berühmten Sammlung Eurer Exzellenz beizutragen". In anderen Schreiben formuliert er antisemitische Äußerungen. Für seinen Biographen Detlef Bell ist der Bankier dennoch eher ein Mitläufer: "Er ist ein Beispiel für den klassischen Opportunisten, der es jedem Recht machen wollte."

Hm, knifflig.
Kann das sein? Bloss Mitläufer?
Was hätten wir gemacht? Protest um jeden Preis? Oder aus Angst um Familie und Leben doch einfach weiter?
Oder ist das doch nur ein müder Versuch, einen Täter zu decken?

Woher kam denn das viele Geld für die ganzen Bautätigkeiten? Bankier ... waren bergische Grossindustrielle in Spekulationsgeschäfte des Kolonialismus verstrickt? Bei NS-Zwangsarbeiter hat man ja schliesslich später auch kräftig zugelangt...
Doch alles skrupellose Spekulanten, Geldmachen um jeden Preis?

Ich weiss es nicht.

Vielleicht gibt es am Mittwoch einige Antworten:

Podiumsdiskussion am 8. November, 19 Uhr, in den Räumen des DGB, Grünstraße 30.

Jedenfalls scheint hier in Wuppertal nach ein ganzer Haufen Vergangenheit rumzugammeln, die noch aufgearbeitet werden sollte...

mehr Infos (wenn wohl auch etwas ideologisch angehaucht):
http://www.az-wuppertal.de/aktuelles...ng.php?id=59


P.S. es war wohl nicht nur ein "einfach weiter" - von der Heydt hat offenbar ganz offensiv und aus eigenem Antrieb "gegen Juden" und für das Nazi-Regime gearbeitet.
Die hier http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_von_der_Heydt verlinkten Artikel verweisen auf eine ganze Fülle handfester Hinweise.

Geschichte | Burgholz



Als vor mehr als 20 Jahren Zugezogene ist mir der Name "von der Heydt" natürlich geläufig. Dass sich dahinter nun nicht nur der edle Gönner, sondern braune Farbe verbirgt, finde ich ziemlich zum... wo man auch gräbt, kommt Dreck zum Vorschein.
Tja, mal sehen, was da die Podiumsdiskussion bringt...
Gruß
Manu

am 2006-11-05 17:27:41 von Kylie