Olzos kleiner Weblog (alt)  |  bergische Sagen
Impressum

bloz.de

Dieses Blog-Experiment wurde halbwegs aktiv von Mitte 2006 bis Ende 2010 betrieben.
Von den 300 alten Artikel stelle ich hier aus historischen Gründen noch einige öffentlich (der Rest wandert ins Privatarchiv).

Sun, 28.01.2007
Erleuchtung im Schnee

Seid langer, langer Zeit, mehr als einem Jahr erst durch Verletzung bedingte Pause, dann vorsichtiges Rumgezockel, nun endlich mal wieder ein paar persönliche Zeilen übers Laufen.



Zuerst kam am Freitag das erste Mal der Schnee in diesem Winter. Der Schnee musste natürlich sofort unter die Laufschuhe genommen werden. Das herrliche Knirschen! Überall im Wald findet man immer wieder neue umgefallene Bäume durch den Orkan letzte Woche:



Am Samstag aber kam ich tagsüber nicht zum Laufen. Es war schon dunkel, kalt und ungemütlich, und ich hatte keine Lust. Gar keine Lust. Auch ein Blick in die Pappenheimerliste konnte mir nichts ausser einem kurzen Aufblitzen in den Augenwinkeln entlocken.
Ich wollte nicht, ich wollte nicht, ich wollte nicht.
Allerdings würde mein Vorhaben, 6 Wochen lang 4x pro Woche zu laufen, scheitern, wenn ich nicht laufe. Aber man muss sich ja nicht an alles halten, schliesslich tut die linke Achillessehne auch etwas weh. Sicher wäre es vernünftig, auszusetzen. Also besser nicht laufen, wenn man keine Lust hat.

Oder?

Aus irgendeinem Grund hatte ich mich dann doch aufgemacht. Dick eingepackt, langsam losgetrabt. Mit schlechter Laune, weil ich "musste". Mann war das ungemütlich!
Und anstrengend - noch am Vortag hatte ich bei einem Vortrag über Daniels gewitzelt, dass ich z.Zt. gar kein "Easy-Tempo" habe, weil es nie easy ist sondern immer anstrengend. So auch jetzt. Ekelhaft. Ich musste mich zwingen, und ich zwang mich. Schritt für Schritt.
Ich hasste es.

Der MP3-Player düdelte den alten Klaus Lage

Tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert

Was war gemeint? 1000 Schritte? 1000km? Und: was war nicht passiert?
Meinten die mich?

Tausend und eine Nacht, und es har *Tzwuuuumm* gemacht...

Laufen, laufen, laufen - und dann passiert plötzlich was, obwohl da vorher überhaupt gar nicht mehr, nie mit gerechnet hatte. Aber was?
Meine Neugier war geweckt.

Ich liess die Nacht und meine Umwelt an mich herankommen. Ich hatte immer noch schlechte Laune, aber Schnee war plötzlich intensiver. Mitteilungsbedürftiger. Oder - wahrscheinlicher - ich aufnahmewilliger.

Zwei km weiter dann

I see your true ... colors ... shining

Das war aber jetzt super intensiv. Der Schnee, die Nacht, die ruhige Musik - der Rhythmus veränderte sich, wurde harmonischer, ganz ruhig. Mein Rhythmus. Eins mit der Umwelt, mit der Nacht, mit dem Lied.

I see your true ... colors ... shining
I see your true colors ... and that s why I love you

Es war eine richtig weihnachtliche Stille. Der Schnee knirschte, keine Autos. Irgendwie magisch. Ich sah den Schnee, ich sah die Nacht - und ich verstand.

I see your true ... colors ...

Wenn es im Läuferleben mal nicht strahlend weiss wie der Schnee ist, muss es nicht gleich schwarz wie die Nacht sein. Es gibt soviel mehr - auch wenn man sich mal zwingen muss. Man muss auch nicht immer gut drauf sein, um sich grossartig zu fühlen!
Ich hatte mich selbst überwunden, ich hatte mich rausgezwungen, um zu Laufen. Und es war gut - es hatte mir sooo viel gebracht!

I see your true colors ... beautiful, like a rainbow.

Vom Schlappsein und Kopfschmerzen zum Hochgefühl und klaren Kopf in 50min! Das schafft kein Aspirin und auch sonst keine Pille!

Tausend und eine Nacht, und es hat *Tzwuuuumm* gemacht...

Es hatte *Tzwuuuroooaaarrumm* gemacht! Ich war wieder Läufer geworden - in dieser Nacht war es passiert!


Natürlich ist das etwas übertrieben, aber so hatte ich es gestern gefühlt. Und heute? War ich tagsüber wieder nicht zum Laufen gekommen. Wieder dunkel, diesmal sogar kalter Dauerregen.

Trotzdem war es diesmal gar keine Frage. Ich war ja jetzt Läufer. Natürlich fand ich beim Streckenausgucken auch sofort eine schöne neue Runde, die fast exakt 10km lang ist. Ein Zeichen!

Ich wollte nicht wirklich schnell laufen, aber die ersten 2,0km gingen einfach locker in 9:30 weg. Dann den Zoo hoch - was für ein Berg! Vor ein paar Tagen wäre ich da fast noch gegangen - nun konnte mich nichts mehr aufhalten. Kniehub, kleine schnelle Schritte - der Berg schafft dich nicht!
Der Regen peitsche mir ins Gesicht, lief mir in die Augen. Perfekterweise lief dazu Amanda Marshall:

Let it rain, let it rain on me
Let it rain, Oaoooh let it rain
Let it rain, on me

Yeah! Ich hätte jubeln können vor Freude. So grinste ich nur zufrieden in mich rein. Der Berg zur Trasse wird immer steiler, aber als ich es endlich geschafft hatte, bog ich zum Zoo ein und roch sofort die Löwen. *Rooooaaaarrr*
Klasse, die Raubtiere nach diesem Berg - das wird meine neue Lieblingsrunde! Von der Kaisereiche aus runter wollte ich dann Gas geben, aber dazu war es zu dunkel. An einigen Stellen konnte ich nur ganz vorsichtig gehen. Nächstes Mal. Zu Hause drückte ich die Uhr ab - das sollte klar unter 60min gewesen sein. 49:58 - perfekt!


Laufen | Burgholz



Ach Olzo, was ein schöner, irgendwie romantischer, aber gar nicht kitschiger Lauf-Text! Ich hatte die Musik im Ohr, erst den ollen Klaus, dann die eingängige, wunderschöne Meldodie von Cindy Lauper...hach, schmelz dahin im Schnee! Ich hab' ihn verpasst, den Schnee - aber als Läuferin fühle ich mich auch so nach und nach wieder!
Du läufst mir dies Jahr bestimmt meilenweit davon, - aber das hast Du Dir auch redlich verdient! :-)
Gruß
Manu

am 2007-01-29 21:04:13 von Kylie